Assistenzhunde: Wie Hunde Menschen mit Beeinträchtigungen das Leben erleichtern

Dass Hunde einfach super sind, muss ich hier glaube ich niemandem mehr erzählen. Sie lieben ihre Herrchen und Frauchen bedingungslos, sind absolut loyal und treu und stellen ein vollwertiges Familienmitglied dar. Darüber hinaus können Hunde mit speziellen Ausbildungen aber noch viel mehr als der beste Freund auf vier Pfoten sein: Sie können als wahre Lebensretter handeln sowie Menschen, die mit einer Beeinträchtigung ihr Leben gestalten müssen, ein großes Stück Freiheit und Selbstständigkeit schenken. In diesem Artikel soll es um Hunde als Assistenzhunde bzw. Rehabilitationshunde gehen. Es werden vier Bereiche vorgestellt, in denen die Vierbeiner eine wichtige Funktion übernehmen.

Blindenhunde/Blindenführhunde

Der bekannteste “Hundejob” ist sicher der des Blindenhundes. Sie begegnen einem hin und wieder auf der Straße und sind am weißen Führungsgeschirr gut erkennbar. Hier helfen Hunde Blinden oder stark sehbehinderten Menschen bei der Orientierung sowohl im Freien als auch in Gebäuden. Sie führen ihre Besitzer*innen beispielsweise um Säulen und Bordsteinkanten herum und bewahren sie davor, gegen Hindernisse zu laufen. Zudem können sie Zebrastreifen erkennen und auf Kommando Sitzmöglichkeiten, Türen, Eingänge oder Briefkästen finden. Sie schenken dem Menschen am Ende der Leine ein ganz neues Lebensgefühl mit viel Selbstvertrauen und lassen ihn so trotz seiner Einschränkung am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Zusätzlich stellen Blindenhunde eine gute Brücke zu anderen Menschen dar, denn ein freundlicher Hund kann sehr gut als Eisbrecher dienen und so soziale Kontakte ermöglichen. Dies ist besonders wichtig, da Menschen mit Beeinträchtigungen oftmals sehr isoliert leben und wenig soziale Interaktion haben.

Welche Rassen eignen sich besonders als Blindenhunde?

Sehr gut geeignet für den Job als Blindenhund ist beispielsweise der Border Collie. Vor allem die mittlere Größe sowie seine Kopfform mit einer langen Schnauze und seitlich weit auseinander stehenden Augen, die für ein großes peripheres Sichtfeld sorgen, sind dabei von Vorteil. Zudem ist der Border Collie ein äußerst intelligenter und lernwilliger Hund, der über ein ruhiges ausgeglichenes Wesen verfügt, was sehr wichtig für einen Assistenzhund ist, da dieser sich und seine eigenen Bedürfnisse während der Arbeit stark zurücknehmen bzw. weitestgehend unterdrücken muss. Mal eben im Gebüsch schnüffeln oder das Revier markieren geht nicht.

Neben dem Border Collie sind auch Golden Retriever, Labrador Retriever, Deutsche Schäferhunde, Großpudel oder Riesenschnauzer als Blindenführhunde sehr geeignet.

Border Collies sind aufgrund ihres hervorragenden Sehvermögens und ihrer Wesenszüge bestens als Blindenführhunde geeignet.

Signalhunde/Akustikhunde

Neben blinden Menschen, bei denen der Assistenzhund das fehlende Augenlicht ersetzt, können auch Gehörlose oder sehr stark schwerhörige Menschen von Hunden profitieren. Das zweite “Berufsfeld” für Hunde ist der Bereich des Akustikhundes oder Signalhundes, der im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Taubstummenhund oder Gehörlosenhund bekannt ist. Hier ersetzt der Hund das Gehör und macht Meldung über akustische Signale wie das Klingeln an der Tür oder des Telefons, den Alarm des Rauchmelders oder sogar das Rufen des Namens der Halter*in.

Das Gehör von Hunden ist viel besser als das von Menschen. So können die Fellnasen über deutlich weitere Entfernungen und in viel höheren Frequenzen Geräusche wahrnehmen. In der Ausbildung zum Akustikhund werden sie darauf trainiert, bei bestimmten Geräuschen, die für Herrchen oder Frauchen von Relevanz sind, den Arm oder das Bein anzustupsen und sorgen so für Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen. Ähnlich wie Blindenhunde müssen Signalhunde sehr lernwillig, äußerst stressresistent und in jeder Situation gelassen bleiben, da sie unauffällig bei der Bewältigung des Alltags zur Seite stehen und diesen nicht stören sollen. Häufig werden Labrador Retriever für diesen Zweck genutzt.

Der Labrador ist wegen seines ausgeglichenen Wesens besonders gut als Signal- oder Akustikhund geeignet.

Diabetikerhunde/Diabetikerwarnhunde

Hunde können nicht nur fehlenden oder mangelhaften Hör-oder Sehsinn ausgleichen, sie können auch echte Lebensretter sein. Diabetikerhunde sind darauf trainiert, gefährliche Schwankungen des Blutzuckerspiegels bei Diabetes-Kranken über deren Atem oder Schweiß zu erschnüffeln und geben bei Unter- oder Überzuckerung, die schnell lebensbedrohlich werden kann, rechtzeitig Bescheid, sodass der/die Erkrankte Maßnahmen ergreifen kann. Darüber hinaus können Diabetikerwarnhunde auch dahingehend aktiv werden, als dass sie zum Beispiel das Messgerät zum Überprüfen des Blutzuckerspiegels oder sogar entsprechende Nahrungsmittel bringen, die schnell den Zuckerhaushalt anheben. Am Tag sind solche Hunde bereits unglaublich wichtig, aber besonders glänzen sie in der Nacht, wenn der/die Erkrankte schläft. Selbst dann können sie Schwankungen des Blutzuckers erschnüffeln und geben Bescheid.

Vor allem Kinder und Jugendliche profitieren enorm von der Unterstützung eines Diabetikerhundes. Aber auch ältere Menschen, die schon sehr lange unter Diabetes leiden, nehmen manchmal gar nicht mehr wahr, wann sie zum Beispiel unterzuckern. Der Hund ist also oft ein echter Lebensretter. Besonders geeignet als Warnhunde für Diabeteskranke sind Retrieverarten sowie Pudel und Kreuzungen hieraus.

Der Labradoodle, eine Kreuzung aus Labrador und Pudel, ist als Diabetes-Therapiehund sehr geeignet.

Epilepsiehunde/Epilepsiewarnhunde

Die letzte Kategorie der Assistenzhunde, die hier vorgestellt werden soll, ist die des Epilepsiehundes, bzw. des Epilepsiewarnhundes. Die Begleithunde bewerkstelligen dabei im Wesentlichen zwei Aufgaben: Sie leisten nach einem epileptischen Anfall, der meist auch mit Medikamenten nur abgeschwächt nicht aber verhindert werden kann, lebenswichtige Hilfe wie das Drücken eines Alarmknopfes oder das Herbeibringen des Telefons, um Hilfe herbeiholen zu können. Neben der Ersthilfe können einige wenige Hunde Anfälle sogar antizipieren, also als Frühwarnsystem agieren. So kann der/die Erkrankte sich zum Beispiel an einen sicheren Ort legen, um den Anfall verletzungsfrei zu überstehen.

Assistenzhunde: Lebensretter und Alltagsbegleiter

Hunde können, wie beschrieben wurde, mit einer entsprechenden Ausbildung, Erstaunliches leisten. Bestimmte Rassen kommen aufgrund ihrer Anatomie und entsprechender Wesenseigenschaften besonders in Frage. Grundsätzlich muss aber jeder Hund individuell auf seine Tauglichkeit hin geprüft werden, denn an ihn werden hohe Ansprüche gestellt. Er sollte über ein robustes Gemüt verfügen, weil er beispielsweise durch einen epileptischen Anfall oder laute Geräusche nicht verschreckt werden darf, muss aber gleichzeitig extrem sensibel und aufmerksam sein, damit ihm auch die kleinste Kleinigkeit nicht entgeht. Eine wahrlich beeindruckende Leistung.

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