Stress und Angst bei Hunden – Interview mit Hundetrainer Peter Schroers

Unsere Welt verändert sich; sie wird schneller und hektischer. Dies setzt nicht nur einigen von uns gesundheitlich zu, auch manche Hunde können ihre Problemchen damit haben. Andauernder Stress kann krank machen. Das ist nicht neu, aber es wirkt sich eben auch auf jene aus, mit denen wir unser Leben teilen. 

Denn auch für unsere vierbeinigen Gefährten birgt die moderne Welt eine Fülle von Stressfaktoren. Statt in der Natur auf weichen, duftenden Waldböden, finden sie sich heute oft auf grauen, asphaltierten Bürgersteigen wieder, müssen schnellen Schrittes hektischen Passanten und Radfahrern ausweichen, während der Lärm aus Verkehr und fremden Stimmen auf sie einprasselt wie ein kalter Regen im Herbst.

Jeder Hund ist anders. Viele Hunde haben buchstäblich ein dickes Fell, doch manche leiden unter permanenten Anspannungssituationen. Und so vielfältig wie die Persönlichkeiten der Hunde, so individuell ist auch das, was ihnen seelisch zusetzt. Die unterschiedlichsten Dinge können bei Hunden Stress, Panik oder Angst auslösen. Ursachen reichen dabei von schlichten Abneigungen gegen bestimmte Situationen, über tiefsitzende Traumata aus der Vergangenheit, bis hin zu Schicksalsschlägen und Krisenmomenten in der Familie, die unsere Hunde genau spüren. 

Manche Hunde fürchten sich vor Gewitter, Silvester, Autofahrten oder dem Tierarztbesuch. Aber auch der Alltag kann seine Tücken haben und für Stress sorgen. Beispielsweise können sowohl eine Überforderung als auch eine Unterforderung einen negativen Einfluss auf das Stress- und Anspannungslevel unserer Lieben haben. Häufig liegt der Auslöser hier in einer missglückten Kommunikation zwischen Zwei- und Vierbeiner. Um mehr darüber zu erfahren, haben wir uns mit Hundetrainer und Kommunikations-Coach Peter Schroers getroffen. 

“Wenn Hunde permanent unter negativem Stress stehen, können Hauterkrankungen, erhöhter Blutdruck, starke Belastungen des Herz-Kreislauf-Systems, Verdauungsstörungen oder aggressives Verhalten die Folge sein.”


belso®: Herr Schroers, Sie haben nicht nur langjährige Erfahrung in der Arbeit mit verängstigen oder traumatisierten Hunden, Sie konzentrieren sich auch gezielt auf den Aspekt der Kommunikation im Zusammenleben mit unseren Tieren. Basierend auf Ihren Erfahrungen, wie würde ein Hund kommunizieren, dass er ängstlich ist beziehungsweise unter einer Anspannung leidet?

Peter Schroers: In diesem Fall findet die Kommunikation des Hundes ausschließlich nonverbal statt. Die Rute wird hier unter den Körper bis an die Bauchdecke heran gezogen. Die „Mimik“ des Hundes beinhaltet sowohl Beschwichtigungssignale wie zum Beispiel das Lecken über den äußeren Rand des Mauls. Die Ohren sind sehr flach an den Kopf angelegt. Der gesamte Kopf wird stark abgesenkt.

Solche Signale zeigt der Hund nicht nur, wenn er ängstlich ist, sondern auch wenn er sich in Konfliktsituationen befindet. Diese Reaktionen können dabei sowohl eine Übersprunghandlung darstellen, um eine Stresssituation zu lösen als auch Zeichen einer Beschwichtigung sein.

belso®: Was kann passieren, wenn der Hund einem solchen Stress-Level dauerhaft ausgesetzt ist?

Schroers: Wenn Hunde permanent unter negativem Stress stehen, können Hauterkrankungen, erhöhter Blutdruck, starke Belastungen des Herz-Kreislauf-Systems, Verdauungsstörungen oder aggressives Verhalten die Folge sein. Auch das Aggressionsverhalten sogenannter „Angstbeißer“ kann natürlich die Konsequenz aus einer kontinuierlichen nervlichen Belastung sein. Ich könnte hier noch viele weitere Beispiele aufführen. Insgesamt betrachtet sind es hier vor allem psychologische Faktoren, die eine erhebliche Rolle im Zusammenspiel von Mensch und Tier einnehmen.

belso®: Welche Rolle spielen Herrchen oder Frauchen, wenn es darum geht, dem Hund die notwendige Entspannung zu verschaffen?

Schroers: Das harmonische Zusammenleben im Einklang mit den Gesetzen der Natur muss grundlegend gewährleistet sein. Hierfür ist es nicht nur wichtig, dass der Mensch die Kommunikationsbemühungen des Hundes versteht, sondern auch, dass er sein Verhalten den natürlichen Bedürfnissen des Vierbeiners anpasst. Damit dies gelingen kann, muss der Mensch – meiner Meinung nach – schlicht die Sprache der Hunde kennenlernen und sich wirklich auf die Fremdsprache „Hündisch“ einlassen.

Ein praktisches Beispiel für eine funktionierende Kommunikation wäre der folgende Fall. Der Hund streckt seine Zunge zum wiederholten Male hinaus und wieder zurück ins Maul. Er will damit sagen, dass er sein zweibeiniges Gegenüber akzeptiert und ihm wohlgesonnen ist. Der Mensch antwortet in gebückter Haltung mit gesenktem Kopf, den Blick vom Hund abgewandt, und streckt – auch wenn es erst einmal komisch klingen mag – ebenfalls die Zunge einige Male hinaus. Jetzt kann sich seitlich genähert werden. Wird der Hund nun behutsam an den seitlichen Rippen berührt und gestreichelt, hat er verstanden. Der Stresspegel sinkt und der Hund geht in den Entspannungsmodus über.

Es gibt unzählige Situationen wie diese, in denen der Mensch durch die richtige Kommunikation und sicheres, konsequentes Verhalten dazu beitragen kann, dass sich unsere Hunde nachhaltig entspannen und gut aufgehoben fühlen können.

Peter Schroers arbeitet seit Jahren als Hundetrainer und Kommunikations-Coach und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die kommunikativen Hürden im Zusammenleben von Mensch und Hund gezielt zu überbrücken. In Bad Bramstedt, in der Nähe der Hansestadt Hamburg, betreibt Schroers das Profi-Dog-Center.

Einfache Tipps zur Entspannung des Hundes

  • Gönnt Euch selbst Ruhepausen von all der Hektik und den Reizen des Alltags. Unsere Hunde spüren ganz genau, wenn wir gestresst sind – und unser Anspannungslevel kann sich so schnell auf die Vierbeiner übertragen! Ein unruhiges und unausgeglichenes Herrchen oder Frauchen hilft keinem, am allerwenigsten dem Hund.
Frau und Hund entspannt im Wald
Entspannter Waldspaziergang
  • So wie sich belastende Situationen tief im Gedächtnis festsetzen können, lassen sich im Umkehrschluss jedoch auch positive und beruhigende Gefühle im Bewusstsein der Hunde verankern. Mit etwas Training können etwa bestimmte Kommandos in Erholungssituationen gezielt erlernt werden, um später bei Bedarf dank der Konditionierung hervorgeholt zu werden. So wird der Hund durch Impulse gezielt an seine Entspannung erinnert.
  • Auch ein ganz klassischer Wellness-Aspekt wie eine Massage kann zur nachhaltigen Beruhigung des Vierbeiners beitragen. Denn wie bei uns verspannen sich bei Stress auch leicht die Muskeln – und so ein gemeinsamer Moment der Intimität und Erholung verbindet und relaxt zugleich. 
Hund und Frau sind entspannt am Strand

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CALM, Entspannung, Interview, Peter Schroers

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