Zeckenbiss bei Hunden: Hilfe, mein Hund hat eine Zecke!

Das Thema Hunde und Zecken polarisiert sehr stark. Während die einen die komplette Chemiekeule auspacken, haben sich die anderen der Naturheilkunde verschrieben. Aus diesem drastischen Gegensatz ergibt sich die Frage: Gibt es auch einen Mittelweg? Gibt es einen vertretbaren Kompromiss zwischen Nervengiften auf der einen und der Bernsteinkette auf der anderen Seite?

Vor allem in der Art und Weise der Verhinderung einer Zecke, also der vorbeugenden Maßnahmen unterscheiden sich der natürliche und der konventionelle Ansatz stark voneinander. Konnte ein Befall auch mit Pestiziden und Insektiziden nicht verhindert werden, dann hilft in jedem Fall nur noch das fachgerechte Entfernen und die sorgsame Entsorgung beziehungsweise die endgültige Vernichtung des Schädlings.  

Natürliche vs. Chemische Prävention gegen Zecken

Zecken lauern vor allem in hohem Gras. Am liebsten haben sie es feucht und warm zugleich.

Vorbeugende Maßnahmen zum Zeckenschutz bei Hunden

Die Prophylaxe zielt darauf ab, den Hund als Wirt möglichst unattraktiv für Zecken, Flöhe und sonstige Parasiten zu machen. Der naturheilkundliche Ansatz geht in die Richtung, dass der Hund vor allem von innen heraus gegen Zecken gestärkt wird, denn hier wird die These vertreten, dass Zecken, Flöhe und sonstige Parasiten vermehrt kranke und geschwächte Tiere als Wirte bevorzugen und diese auswählen. Über Nahrungsergänzungsmittel und Heilkräuter wird beispielsweise versucht, den Hautstoffwechsel des Hundes ins Gleichgewicht zu bringen und damit das Immunsystem und die körpereigene Abwehr zu stärken.

Zeckenhalsbänder mit Insektiziden

Dem gegenüber stehen die konventionellen Mittel, die in der klassischen Veterinärmedizin zum Einsatz kommen. Hier wird der Hund zunächst von außen unattraktiv für Zecken gemacht. Dazu kommen häufig Zeckenhalsbänder oder sogenannte Spot-On-Präparate zum Einsatz. Die Halsbänder geben dabei konstant neurotoxische Stoffe in die Fettschicht der Hundehaut ab. Diese breiten sich nach und nach über die gesamte Hautfläche des Vierbeiners aus und brauchen ca. eine Woche bis sie ihre volle Wirksamkeit entfalten können. Beißt sich nun eine Zecke in der Haut des Hundes fest, wird diese durch die Insektizide, die sie über das Blut des Hundes oder die Hautzellen aufnimmt, abgetötet.
Im Unterschied zu sogenannten Spot-On-Präparaten soll bei den Zeckenhalsbändern der toxische Wirkstoff langsam, dafür aber kontinuierlich verabreicht und damit der Organismus des Hundes geschont werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Halsband bei starken Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten einfach abgenommen und der Hund zusätzlich gewaschen werden kann.

Spot-Ons zur Zeckenabwehr

Spot-Ons sind besonders beliebt, weil sie sehr praktisch und einfach in der Handhabung sind. Sie werden als flüssige Mittel meist auf den Hundenacken geträufelt und anschließend einmassiert. Die Substanz verteilt sich von dort über den gesamten Hundekörper und verbleibt ca. vier Monate in den Fettzellen der Haut. Der große Nachteil ist, dass eine relativ hohe Dosis des Nervengifts auf einmal im Organismus des Hundes freigesetzt wird und im Falle einer Unverträglichkeitsreaktion oder einer Allergie keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.

Die vorgestellten Mittel rangieren unter der Kategorie „absolute Chemiekeule“. Sie beinhalten Pestizide, Insektizide sowie Nervengifte und müssen unbedingt vorsichtig verwendet werden. Es ist unter allen Umständen notwendig, Rücksprache mit der Tierheilpraktikerin oder dem Tierarzt des Vertrauens zu halten und sich ganz genau über die Risiken und Nebenwirkungen der einzelnen Wirkstoffe zu informieren und aufklären zu lassen. Laut Meinung der Vertreter naturheilkundlicher Zeckenabwehr handelt es sich um wirklich harte Geschütze, die hier aufgefahren werden, deren langfristige Wirkung auf den Hundeorganismus noch nicht vollständig geklärt ist. Es ist zum Beispiel unklar, wie sich die Wirkstoffe aus den Hautzellen des Hundes abbauen und ob sie überhaupt vollständig den Körper verlassen.

Natürliche Mittel zur Zeckenprävention

Neben den genannten Chemiekeulen gibt es auch einige natürliche Mittel zur Zeckenvertreibung. Da wären zum einen Halsbänder aus Keramik oder Bernstein, aber auch Öle wie Kokos- oder Schwarzkümmelöl.

EM Keramik-Halsbänder für Hunde

Bei den EM Keramik-Halsbändern handelt es sich um Produkte aus Ton, die mit sogenannten Milchsäurebakterien versehen werden. Diese effektiven Mikroorganismen sollen auf der Haut von Hunden ein zeckenfeindliches Milieu schaffen, welches den Befall durch die lästigen Plagegeister verhindern soll. Es gibt bisher allerdings keine wissenschaftlichen Studien, die eine solche Wirksamkeit belegen können.

Bernsteinketten für Hunde

Neben den Halsbändern aus Keramik gibt es auch Bernsteinketten, die vorbeugend gegen Zecken wirken sollen. Dabei sind zwei Effekte zu nennen, die Zecken fernhalten sollen: Zum einen sollen durch die Reibung am Fell des Hundes Terpene, also Kohlenstoff- und Wasserstoffverbindungen freigesetzt werden. Der dadurch entstehende Geruch soll Zecken vom Stechen abhalten. Der zweite Effekt, der Zecken abhalten soll, ist statische Elektrizität, die durch das Bernsteinhalsband in Verbindung mit dem Hundefell erzeugt wird. Am elektrisch aufgeladenen Fell können Zecken keinen Halt finden, so die Annahme. Auch für die Bernsteine gilt, dass es bisher keine wissenschaftlichen Daten zur Wirksamkeit gibt.

Chemische Zeckenabwehr und natürlicher Zeckenschutz im Überblick

ChemischNatürlich
Spot-On-Präparate
Halsbänder aus Keramik oder Ton
Zeckenhalsbänder Ketten aus Bernstein
Tabletten gegen ZeckenSchwarzkümmelöl & Kokosöl gegen Zecken
Sprays zur ZeckenabwehrAkkupunktur bei Hunden

belso® distanziert sich als Marke für Ergänzungsfuttermittel eindeutig von Gesundheitsbehauptungen. Wir orientieren uns bei der Beschreibung der Inhaltsstoffe an dem gängigen Standard. Dieser Text und die genannten Produkte ersetzen keine Beratung und Untersuchung vom Tierarzt. Suchen Sie bei etwaigen Problemen die Tierärztin oder den Tierarzt Ihres Vertrauens auf.


Zeckenbefall trotz Profilaxe – Erfolgreiche Zeckenentfernung

Neben der Vorbeugung ist aber auch die Frage: Wie entferne ich eine Zecke beim Hund am besten? Ein großes Thema, denn bei aller Prophylaxe lässt es sich nicht komplett vermeiden, dass eine Zecke auch mal Erfolg hat und sich festbeißt, bzw. sticht. Nun heißt es möglichst schnell sein, denn die Zecken entfalten nach 24-48 Stunden ihre größte Gefährlichkeit indem sie Krankheitserreger in das Blut des Wirtes leiten.

Ziehen oder drehen? Zeckenentfernung leicht gemacht

  1. Vorbereitung: Zunächst sollte die Zecke freigelegt werden, indem Du das Fell Deines Tieres an der betroffenen Stelle auseinander schiebst. Dabei auf keinen Fall die Zecke mit Öl oder Alkohol beträufeln. Das hilft nicht nur nicht, sondern schadet sogar: Die Zecke erbricht sich und gibt so über ihren Mageninhalt potenziell mehr Erreger in das Blut Deines Hundes ab.
  2. Werkzeug: Zur Entfernung von Zecken eignen sich Zeckenzangen, aber auch Zeckenhaken oder Zeckenkarten.
  3. Richtig ansetzen: Setze Dein gewähltes Werkzeug so dicht wie möglich auf der Haut Deines Hundes an und umfasse die Zecke damit.
  4. Entfernen: Zecken haben kein Gewinde, aber sie haben Widerhaken an ihrem Saugrüssel. Aus diesem Grund werden sie herausgezogen und nicht gedreht. Ziehe die Zecke zügig, aber nicht ruckartig in einer gleichmäßigen Bewegung heraus. Sollten Teile des Stechapparats in der Haut Deines Hundes stecken bleiben, brauchst du keine Angst zu bekommen, da diese nach einer Weile von selbst abgestoßen werden.
  5. Vernichtung der Zecke: Ganz wichtig ist, dass Du die noch lebende Zecke nach der Entfernung aus Deinem Hund gänzlich vernichtest. Am besten zunächst in einem Taschentuch zerquetschen und zur Sicherheit anschließend zusätzlich verbrennen. Auf keinen Fall die Zecke im Hausmüll entsorgen! Sogar das Hinunterspülen in der Toilette reicht nicht aus. Die lästigen Biester sind unglaublich robust und können aus der Kanalisation das Rohr wieder hinauf klettern und sich munter einen neuen Wirt suchen.

Warum der ganze Aufwand? Zecken übertragen Krankheiten

Zecken sind nicht einfach nur eklig und unhygienisch, sondern sie sind auch gefährlich, da sie Krankheiten übertragen können. Sie ernähren sich vom Blut ihrer Wirte. Diese Tatsache an sich ist zwar keine schöne Vorstellung, aber erstmal noch nicht schädlich, da die Mengen, die „abgezapft“ werden so gering sind, dass es für den Organismus nicht ins Gewicht fällt. Das Problem ist, dass die Zecke ihren Saugnapf nicht nach jeder Mahlzeit desinfiziert, sondern munter von Wirt zu Wirt geht. Über die Blutreste am Rüssel, aber vor allem durch den Mageninhalt und den Speichel der Zecke, gelangen Viren, Bakterien und Krankheitserreger in den Blutkreislauf des Opfers, die es in sich haben können. Die bekannteste durch Zecken übertragene Krankheit ist die Borreliose. Erkrankte Hunde leiden an Fieberschüben, Gelenkschmerzen, Gelenkentzündungen, Muskelschmerzen, sowie lahmenden Vorder- und Hinterläufen. Bei schlimmen Verläufen kann die Lyme-Borreliose, so die genaue Krankheitsbezeichnung, sogar tödlich verlaufen.

Es besteht die Möglichkeit einer Schutzimpfung für Borreliose, allerdings wird Dein Hund damit lediglich gegen zwei von vielen weiteren Borrelienarten geschützt. Auch hier sagen wir, lass Dich ausgiebig beraten, mach Dich selbst schlau, sei durchaus auch kritisch und hinterfrage und triff auf dieser Basis eine Entscheidung.

Weitere durch Zecken übertragbare Krankheiten

  • Babesiose, auch Hundemalaria genannt
  • Ehrlichiose
  • FSME, die Frühsommer-Meningoenzephalitis
  • Anaplasmose

Es gilt also durchaus, die Zeckensaison, die in der Regel von Februar bis Oktober dauert, sehr ernst zu nehmen und den Hund bestmöglich zu schützen.

Wirksamer Zeckenschutz freut Hund und Herrchen

Fazit: Die Mischung macht’s

Während die Wirksamkeit der konventionellen Mittel gegen Zecken erwiesen und vielfach dokumentiert ist, gibt es solche eindeutigen Belege für natürliche Alternativen eher selten. Das heißt aber nicht, dass Alternativen zu chemischer Zeckenvertreibung sinnlos und Geldverschwendung sind. Es sollte sich viel eher die Frage gestellt werden, warum es so wenige Studien zu alternativen Methoden der Zeckenabwehr gibt. Es darf nicht vergessen werden, dass hinter Zeckenhalsbändern, Spot-On-Produkten und Co. oft große Pharmakonzerne stecken, die ein wirtschaftliches Interesse daran haben, die natürlichen Alternativen klein zu halten.

Auch wenn rein von der Effizienz her betrachtet, die chemischen Produkte wirksamer scheinen als natürliche Alternativen, darf es dennoch nicht so schwarz und weiß gesehen werden. Zum einen kann fehlende wissenschaftliche Wirksamkeit auch auf fehlende Studien zurückgeführt werden und zum anderen sind die Risiken und Nebenwirkungen der chemischen Produkte immens. Es darf nicht vergessen werden, dass es sich um Giftstoffe handelt, die in die Fettschicht der Hunde geleitet werden. Dass diese nicht nur in der Zecke wirken, sondern auch Rückstände im Hund verbleiben, ist nicht von der Hand zu weisen, auch wenn die Hersteller anderes behaupten.

Es gilt also, gründlichst abzuwägen. Unsere Empfehlung geht dabei dahin, zunächst die natürlichen bzw. alternativen Mittel durchzuprobieren. Vielleicht hast Du ja auch Glück und Dein Hund ist sowieso nicht sehr anfällig für Zecken. Für eine alternative Meinung empfehlen wir, ruhig auch mal eine Tierheilpraktikerin oder einen Tierheilpraktiker aufzusuchen. Wenn alle natürlichen Mittel wirkungslos bleiben, dann hole Dir zunächst professionellen Rat bei der Tierärztin bzw. beim Tierarzt. Erst danach solltest Du nach gründlicher Abwägung aller Vor- und Nachteile eine Entscheidung treffen, die Du vertreten kannst.


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